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TORI AMOS - Strange Little Girls

[Atlantic: 7567834862 (CD) / 7567834861 (LP)]


Tori Amos hat im Laufe ihrer Karriere eine ganze Reihe Songs - meist hervorragend - gecovert, man denke nur an die brilliante Interpretation von Nirvanas "Smells Like Teen Spririt" (auf "Crucify") oder an R.E.M.s "Losing My Religion" (auf dem Soundtrack zu "Higher Learning"). Auch garniert sie ihre Livesets regelmässig mit Coverversionen. Nun legt sie mit "Strange Little Girls" das erste Mal ein reines Coverversionen-Album vor. Erstaunlicherweise sorgt ein solches Projekt in der Pop- und Rockmusik immer noch für Furore, obwohl es in anderen Genres schon immer gang und gebe war, Songs anderer Künstler zu interpretieren.

Tori hat sich eine Reihe Perlen aus den letzten dreissig Jahren Populärmusik herausgesucht und den Versuch gestartet, sie in ein Gesamtkonzept ihrer Interpretation einzubinden. Alle Songs sind im Original von Männern gesungen und behandeln im weiteren Sinn Gewalt - Tori interpretiert Songs und Text aus der Sicht einer Frau.

Tori brilliert auf "Strange Little Girls" immer dann, wenn es ihr gelingt, mit ihrer Interpretation dem Original eine nicht gekannte Stimmung zu verleihen. Besonders augenfällig ist dies bei den Songs, die im Original wenig mit der Musik von Tori gemein haben. Gerade Slayers "Raining Blood" und Eminems "`97 Bonnie And Clyde", beides wohl Werke, die man nicht unbedingt als Cover auf einem Tori Amos Album erwartet hätte, erstrahlen auf "Strange Little Girls" in neuem Licht (hört Tori Amos privat eigentlich Slayer?). Auch ihre Versionen von Lloyd Coles 1985er "Rattlesnakes" und Joe Jacksons "Real Man" zählen zu den Highlights auf "Strange Little Girls", beide by the way auch sehr im Original zu empfehlen.

Jedoch liegt gerade in der Songauswahl auch die grosse Schwäche des neuen Albums. Bei den meisten Liedern gelingt es Tori nicht, über eine beliebige Coverversion hinaus zu kommen und der Stimmung des jeweilige Originals eine eigenen Note entgegenzusetzen. Mag die als erste Single ausgekoppelte Version des Strangles Klassikers "Strange Little Girl" noch als nette Popnummer in die Gehörgänge wandern - auch wenn eine solche Version auch Kylie Minogue gelungen wäre - so sind "I Don't Like Mondays", Tom Waits herausragendes "Time" und der 1975er Megaseller "I'm Not In Love", im Original vor allem durch seine distanziert ironische, melancholisch schwebende Stimmung bestechend, schlicht belanglos und klingen wie eine überflüssige B-Seite einer durchsschnittlich begabten Band.

Dem countryesk schleppenden Original von Neil Young stellt sie eine Rockversion entgegen, die gut und gerne auf ihrem zu Recht vergessenen Powerpop-Album "Y Kant Tori Read" gut aufgehoben wäre. Schliesslich hat sich Tori Amos noch einen Beatles-Klassiker herausgepickt. Aus der komplexen Songstruktur des Originals wird ein pathetisch langes tragendes Popstückchen, auch wenn man ihr hier zugute halten muss, dass sie versucht hat, aus dem Original eine Anklage an die alltägliche (Rassen-)Gewalt in den USA zu machen.

Das herere Konzept, ein Album über Gesichter der Gewalt zu releasen und danach die Songs auszuwählen, bzw. den Texten einen anderen Blickwinkel zu verleihen, scheitert an der Umsetzung. Man ist von Tori Amos wesentlich besseres gewöhnt - an den meisten Songs hat sich Tori schlichtweg übernommen. Schade, denn bislang galt sie zurecht als herausragende Interpretatorin.

[tvd]


Standout Tracks: Real Man, Raining Blood, '97 Bonnie And Clyde,
Rattlesnakes


Tracklisting:

Original Versions:

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DRECK!