


|
MUSIC-CULTURE & MORE |


|
JONI MITCHELL - Travelogue [2002 . Nonesuch: 7559798172 (2CD)] Wie hört sich die "neue" Joni an? Nach "alten" Songs. Diesmal sind das natuerlich nicht irgendwelche Easy-Listening-Liedchen wie beim letzten Album (das war teilweise ziemlich belangloses Zeugs) , sondern - man schaue das Tracklisting an - Joni-Songs, die einfach unverwüstlich sind. Natürlich hat Joni auch das Glück (oder, finanziell gesehen, das Pech), dass sie eigentlich von keinem "Das Beste der 60er, 70er, 80er, 90er und von heute" Radiosender zu Tode gemartert wird. Die Songs wurden für das Album nach vier verschiedenen Rezepten verwurstet: Rezept 1: Man nehme: ein fettes Orkester, dass die Deutsche Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts plündern muss, insbesondere die Romantiker (Wagnersche Waldhörner, direkt aus "Siegfried", Webersche Männerchöre wie beim "Freischütz" plus ganz viel Harfen-Pling-Pling à la "Tristan und Isolde"). Das Rezept geht oft auf. Weiche, warme Schmuseklänge, 1000 mal besser (und geeigneter) als jeder Kuschelrock-Issue (Amelia, Otis and Marlena). Ganz grossartig!!! Rezept 2: Man plündere mit dem gleichen Orchester Hollywoodarchive, insbesondere schmissige Western der 50er oder das Genre "Liebesdrama". Die Bläser scheppern, Fury gallopiert über die Prärie. Oder Elizabeth Taylor in einem "flotten Schlitten" on the road. Nun, das Hörergebnis ist ein wenig erschreckend, stellenweise sogar ziemlich schrecklich (der Anfang von "Judgement of the Moon and the Stars" - im Original eine absolute Perle - oder "Woodstock"...). Die Songs überleben trotzdem, Joni mit ihrer coolen, verrauchten, kaputten, unvergleichlich wunderbaren Stimme rettet sie aus dem Orkester-Kitsch. Nur: warum gefällt ihr es, sich derartig zu inszenieren? So hat sie doch schon auf ihrem 1974er Werk "Court and Spark" das tolle "Down To You" runiert! Rezept 3: Man hole sich andere fidele Alt-Jazzer (Herbie Hancock etc.) ins Studio und lasse die ein bisschen mit dem Orchester "rummachen". Sehr schwerfälliges Ergebnis, das Orchester kann nämlich nicht "swingen". Erraten: die Songs überleben mit Jonis Stimme oft auch das. Rezept 4: Das Orchester wird (unter vorgehaltener Pump-Gun) zum Nachspielen von geilen 60er und 70er Blaxploitation-Filmmusiken gezwungen und muss dann Joni-Songs à la Blaxploitation nachspielen - das wird dann doch wieder sehr nett, hier sind die Ergebnisse oft sogar noch feiner als die Originale (die dann aber auch meist sowieso nicht so toll waren, wie "Sex Kills") oder richtig "hot" - wie "Hejira" (das den "Jackie Brown" Soundtrack hätte retten können). Fazit: Um Joni zu zitieren: "Shadows and Light". Die Songs von ihrer 1977er Platte "Hejira" (die erste, nachdem sie sich die Stimme kaputt geraucht hatte) - sind durchwegs gelungen, ähnliches gilt für die Songs vom 1994er "Turbulent Indigo" oder vom 1991er "Night Ride Home". Wir finden aber, dass den sehr emotionalen (ok - manchmal etwas sentimentalen) Frühwerken die Orchestersosse gar nicht gut bekommen ist. Bläser und Männerchöre ruinieren dann auch noch einiges - sie passen überhaupt nicht und klingen wirklich wie mittelmässige Kopien aus (grandiosen) Wagner-Opern. Und bei einigen Jazznummern skippt man dann schnell weiter... Die Platte ähnelt somit einer weichen, warmen Patch-Work-Decke mit teilweise ganz hässlichen Patches und diversen Löchern, aber frisch mit Kuschelweich gewaschen! Riecht gut. Vielen Dank, Joni. [es] Standout Tracks: Amelia, Hejira, Otis And Marlena, Sex Kills, Chinese Café, Cherokee Louise, Refuge Of The Road, Borderline, The Dawntreader, Sex Kills, Love |
|
REVIEWS |

|
GRANDIOS! |
|
. |
|
. |
|
. |
|
. |
|
. |
|
. |
|
. |
|
. |
|
|
|
DRECK! |